Die meisten Schlaraffenreyche tragen einen Namen, den sie sich selbst erdacht haben. Dieses hier trägt den urkundlichen Namen seiner Stadt: „Orbaha“ steht 1059 in einer Grenzbeschreibung und 1064 in einer Schenkungsurkunde König Heinrichs IV. — mit Burg und Salzquellen. Wer nach der Namensgeschichte Bad Orbs sucht, sucht nach dem Namen dieses Reyches. Der Zusatz „Chattensis“ führt noch weiter zurück: zu den Chatten, aus deren Namen Hessen wurde.
1059: der Name in einer Grenzbeschreibung
Die älteste bekannte Nennung des Namens steht in einer Grenzbeschreibung des Wildbanns für das Kloster Fulda aus dem Jahr 1059. Ein Wildbann war das Recht, in einem genau umschriebenen Waldgebiet zu jagen — und weil man die Grenzen eines solchen Gebietes benennen musste, wurden Bäche, Höhen und Orte aufgezählt. So kam „Orbaha“ zu Pergament, lange bevor irgendjemand daran dachte, hier ein Bad einzurichten.
2. Oktober 1064: Burg und Salzquellen
Fünf Jahre später wird der Ort selbst greifbar. Am 2. Oktober 1064 schenkte König Heinrich IV. „die Besitzung Orbaha … mit Burg und Salzquellen“ dem Mainzer Erzbischof. Dieses Datum gilt als Ersterwähnung des Ortes, und es nennt in einem Atemzug die beiden Dinge, um die sich die Orbaher Geschichte in den folgenden acht Jahrhunderten drehen wird: die Burg über der Stadt und das Salz unter ihr.
Was „Orbaha“ bedeutet
Der Name ist zusammengesetzt, und der hintere Teil ist der leichtere: Die Endung -aha ist das althochdeutsche Wort für fließendes Wasser und steckt in vielen Gewässernamen. „Orbaha“ bezeichnet also zuerst den Bach und dann den Ort am Bach — Fluss und Siedlung in einem Wort. Für den vorderen Teil wird ein germanischer Wortstamm werb- — „drehen, wenden“ — erwogen; sicher ist diese Herleitung nicht.
Aus Orbaha wurde im Laufe der Jahrhunderte Orb, und aus Orb wurde 1909 Bad Orb, als der Ort staatlich anerkanntes Heilbad wurde.
Der Fluss, an dem alles begann
Die Orb gibt es noch. Sie ist rund elf Kilometer lang, fließt von links der Kinzig zu und entspringt südöstlich der Stadt in einem Quellgebiet mit sechs Quellen; in der Stadt nimmt sie die Hasel auf. Ihr Lauf am Quellenring steht unter Denkmalschutz.
Und damit schließt sich ein Kreis, den man kaum erfinden könnte: Genau am Quellenring, im „Café Sprudel“, hielt das junge Feldlager der Schlaraffen 1928 seine ersten Sippungen — am Wasser, das dem Reych den Namen gab.
„Chattensis“ — die Hessen vor den Hessen
Der zweite Namensteil ist die lateinische Form für „chattisch, der Chatten“. Die Chatten waren ein germanischer Stamm, dessen Siedlungsschwerpunkt in den Tälern von Eder, Fulda und der oberen Lahn lag. Plinius und Tacitus nennen sie; Tacitus lobt ihre Manneszucht. Die letzte antike Nennung fällt in das Jahr 392 nach Christus.
Aus dem Stammesnamen wurde über die mittelalterlichen Formen Hassi und Hessi, die um 720 zuerst auftauchen, der Name Hessen. „Orbaha Chattensis“ heißt also: das Orbaha der Chatten — das hessische Orbaha.
Dazu gehört eine Randbemerkung der Ehrlichkeit: Bad Orb liegt am Südrand dessen, was die Forschung als Chattenland kennt, nicht in seiner Mitte. Der Name ist ein Bekenntnis zu Hessen, keine Fundortangabe.
Und vorher: die Chattenburg
Der Stammesname begegnet in der Reychsgeschichte noch an einer zweiten Stelle. Für die Zeit vor dem Burgneubau der 1950er Jahre nennt der Chroniktext die Burg des Reyches Chattenburg. Erst mit der neuen Burg im Hotel „Wittelsbacher Hof“ trägt sie den Namen Martinsburg, nach dem Stadtpatron Bad Orbs. Mehr dazu auf der eigenen Seite.
Die Angaben zur Urkundenlage, zum Fluss Orb und zu den Chatten sind einzeln nachgewiesen — über das Stadtportrait der Stadt Bad Orb, die Artikel zu Bad Orb und zur Orbquelle sowie einen Artikel zu den Chatten. Die Herleitung des Wortstamms aus germanisch werb- ist eine in der Literatur erwogene Möglichkeit, keine gesicherte Etymologie; die Bedeutung der Endung -aha als „fließendes Wasser“ gilt dagegen als sicher. Die schlaraffischen Angaben zu den ersten Sippungen am Quellenring und zur Burgbezeichnung Chattenburg stammen aus dem Chroniktext des elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchivs. Wer die Urkundenlage genauer kennt oder Nachweise beitragen kann, möge sich bitte melden.