Das Preisturney zur Freikur

Ein Reych in einem Heilbad, das keine eigene Burg besaß, stiftete einen Wettbewerb und setzte als Preis das ein, was seine Stadt im Überfluss hatte: eine Kur. Wer das Preisturney der Orbaha Chattensis gewann, durfte einen kranken Sassen seines Reyches zur Freikur nach Bad Orb schicken — zu Gast bei einem Uhubruder. So etwas gibt es in Allschlaraffia sonst nicht.

Was ein Turney ist

Schlaraffia spielt das Mittelalter — und dazu gehört der Wettstreit. Ein Turney ist ein Wettbewerb um eine künstlerische Leistung: Zu einem vorgegebenen Thema reichen Sassen ihre Fechsungen ein — Gedichte, Vorträge, Musikstücke, Bilder —, und eine Jury kürt den Sieger. Bei einem Preisturney ist der Gewinn ausgeschrieben. Üblicherweise ist er ein Orden, ein Titul oder ein Ehrenzeichen.

Das Thema und seine Pointe

Das Thema, das Rt Altküppel dem Turney der Orbaha Chattensis gab, lautete:

„Wie fruchtbar ist der kleinste Kreis, wenn man ihn wohl zu pflegen weiß.“

Ein Reych mit einer Handvoll Sassen in einem der kleinsten profanen Orte Allschlaraffias schreibt einen Wettbewerb darüber aus, wie viel im kleinsten Kreis steckt. Das ist kein frommer Spruch, das ist eine Selbstbeschreibung — und gleichzeitig der Schlüssel zum Preis: Pflege.

Der Preis: eine Freikur

Die Sieger eines Preisturneys der Orbaha Chattensis übertrugen ihrem Reych das Recht, einen bresthaften — also kranken — Sassen zur Freikur bei einem Uhubruder der Orbaha Chattensis zu entsenden. Der Gewinn war damit kein Abzeichen, sondern eine Einladung: Unterkunft bei einem Orbaher Schlaraffen und die Kur in einem staatlich anerkannten Heilbad.

Warum das nur in Bad Orb gehen konnte

Bad Orb lebte vom Salz, dann von der Sole. Aus den Salzquellen, die schon 1064 urkundlich genannt werden, wurde im 17. und 18. Jahrhundert eine Produktion von bis zu 2.000 Tonnen im Jahr; zwischen 1729 und 1748 entstand eine Saline mit zehn Gradierwerken. 1899 endete die Salzgewinnung — geblieben ist die Sole und das, was man mit ihr machen kann: 1837 die erste Solbadeanstalt, 1909 die Anerkennung als Heilbad und der Name Bad Orb.

Und geblieben ist das Gradierwerk von 1806, das letzte von zehn: 155 Meter lang, 18 Meter hoch, aus Schwarzdornreisig gebaut, über das die Sole herabrieselt und die Luft mit Salz sättigt — ein Freiluft-Inhalatorium, seit 1991 als erhaltenswertes Industriedenkmal geführt. Wer zur Freikur nach Bad Orb kam, kam hierher.

Das erste Turney, Wonnemond a. U. 70

Ausgetragen wurde das Turney erstmals im Wonnemond a. U. 70 — dem Mai 1929, dem Jahr, in dem die Colonie zum Reych sanktioniert wurde. Es gestaltete sich, so überliefert es die Chronik, zu einem Erlebnis, das auch Sassen alter und großer Reyche rühmten.

Das ist die eigentliche Pointe dieser Geschichte: Das kleinste Reych machte sich mit dem Einzigen bemerkbar, was es reichlich besaß — Sole, Luft und Pflege. Der kleinste Kreis, wohl gepflegt.

Die Angaben zum Preisturney, zum Thema, zur Freikur und zum ersten Turney im Wonnemond a. U. 70 stammen aus dem Chroniktext des elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchivs, der auf „100 Jahre Schlaraffia“, Band II, und die Chronik Allschlaraffia, Band III, zurückgeht; die Angaben zu Sole, Saline und Gradierwerk sind einzeln nachgewiesen. Offen ist, ob das Preisturney zur Freikur heute noch ausgeschrieben wird. Ein Fortbestehen ließ sich nicht belegen, deshalb ist diese Seite durchgehend in der Vergangenheitsform geschrieben. Wer es besser weiß — ob das Turney weiterlebt, wie oft es ausgetragen wurde und welche Reyche es gewonnen haben —, möge sich bitte im Reych melden; die Seite wird dann nachgezogen.

Zusatzinformationen

Der Name Orbaha Chattensis Die Martinsburg und der heilige Martin Das Preisturney zur Freikur

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